„Stimmen für Freiheit und Demokratie“ setzt Zeichen in Nieder-Olm
Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Widerspruch und einer klaren Haltung. Oder wie es Volker Metzger formulierte: Wir müssen laut sein – laut genug, um Hass und Wut zu übertönen.  Mit Musik, Diskussionen und persönlichen Erfahrungsberichten hat die Veranstaltung „Stimmen für Freiheit und Demokratie“ in der Ludwig-Eckes-Halle in Nieder-Olm ein Zeichen für demokratische Werte gesetzt. Veranstaltet wurde der Abend vom Bündnis für Demokratie, Vielfalt und Toleranz gemeinsam mit der Musikschule der Verbandsgemeinde Nieder-Olm, unterstützt unter anderem von den Omas gegen Rechts. Metzger, der durchs Programm führte, betonte gleich zu Beginn, dass es sich bei der Veranstaltung um ein gesellschaftspolitisches und nicht um ein parteipolitisches Format handle, was von den rund 300 Besuchern mit viel Applaus bedacht wurde.
Einen philosophischen Impuls setzte Steffen Heieck mit seinem Beitrag über „die Offenheit der Zukunft und die Freiheit des Willens“. Dabei sprach er über das persönliche Verhältnis zur Demokratie, über Verantwortung und über die Frage, wie Freiheit in einer demokratischen Gesellschaft gelebt werden kann. Er erinnerte daran, dass Demokratie auch die Herausforderung der Entscheidung bedeute: „Manchmal wünschen wir uns jemanden, der für uns entscheidet. Aber wenn andere für uns entscheiden, haben wir dann noch dauerhafte Freiheit?“
Über ihre Arbeit im Themenfeld Rechtsextremismus berichteten die Journalisten Martin Steinhagen und Ronny Junghans. Junghans, der in Sachsen aufgewachsen ist, war nach eigenen Angaben schon früh mit rechter Gewalt konfrontiert und recherchiert seit Jahren zu Extremismus. Steinhagen begleitete für die Frankfurter Rundschau unter anderem den Untersuchungsausschuss zum NSU-Komplex. Beide machten deutlich, dass ihre journalistische Arbeit auch Auswirkungen auf ihr Privatleben habe und Sicherheitsvorkehrungen erforderlich mache. Im Umgang mit Rechtsextremen brauche es eine klare Haltung, zugleich aber auch Gesprächsangebote – zumindest im persönlichen Umfeld.
Einen generationsübergreifenden Blick brachten Lilou (17) und Sinan (19) aus dem Sozialkunde-Leistungskurs der IGS ein. Ihre Botschaft an das Publikum: „Egal, wie alt wir sind – wir sitzen alle im selben Boot.“ Zu oft werde über Generationen gesprochen statt miteinander. Demokratie lasse sich nur gemeinsam verteidigen.
Auch das Thema Integration nahm Raum ein. Annette Pospesch, die unter anderem das Café International begleitet, berichtete über die Situation von Geflüchteten im Kreuzhof Nieder-Olm. Dort leben derzeit 98 Menschen, sie seien aufgrund ihrer Wohnsituation nicht so gut in der Stadt integriert und deshalb in besonderem Maß auf Unterstützung angewiesen. Erschwert werde dies zusätzlich dadurch, dass ein Regierungsbeschlusses die Integrationskurse beschränkt. Pospesch warb deshalb für ehrenamtliches Engagement im Sprachunterricht. Drei Geflüchtete und Bewohner des Kreuzhofs schilderten ihre persönlichen Lebenswege. Sabrina Leon (32) aus Ecuador ist Medizinerin und arbeitet daran, in Deutschland ihren beruflichen Weg fortzusetzen. Inna Derevanko (45) kam nach Beginn des Krieges aus der Ukraine nach Deutschland und arbeitet inzwischen als Integrationsassistentin an einer Schule. Avdo Omariko (55) floh nach Stationen in Syrien und der Ukraine nach Deutschland. Der Maschinenbauingenieur berichtete von mehreren beruflichen Neuanfängen und seiner Flucht infolge des russischen Angriffskriegs.
Musikalisch wurde der Abend von mehreren Gruppen und Solisten begleitet. Jens Klaassen, Leiter der VG-Musikschule, hatte insgesamt sechs Acts organisiert: das Percussion-Ensemble des Powerclubs Nieder-Olm, den Jugendchor, die Girl-Bands „The Missprints“ und „Black Lillies“, ein Blechbläser-Ensemble unter Leitung von Simon Gößling sowie die Jazzpianistin Nadhiia Zhurba.
Über Extremismus im Fußball sprachen David Moschner, Fanbeauftragter von Mainz 05, und Christoph Loré, Vorsitzender des FSV Nieder-Olm. Beide betonten, dass es klare Grenzen und eine eindeutige Haltung brauche. Rechte Hetze spiele bei Mainz 05 vor allem in sozialen Netzwerken eine Rolle, während im Stadion nach Moschners Einschätzung vor allem Homophobie thematisiert werde. Loré machte deutlich, dass auch im Amateurfußball Null Toleranz gelten müsse.
Einen besonderen Einblick bot Pascal Bähr (30), ehemaliger AfD-Politiker und früherer stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Alternative Rheinland-Pfalz. Er schilderte seinen politischen Werdegang und seinen späteren Ausstieg aus der Partei. Drei Jahre habe er gebraucht, um sich aus der Partei zu lösen. Anfangs habe er viele Positionen der AfD für legitim gehalten. Doch im Laufe der Zeit habe er erlebt, wie sich die Partei radikalisiert habe. Rückblickend bewerte er seine frühere Tätigkeit kritisch. „Die AfD ist eine Polit-Sekte“, sagte Bähr. Sein Appell an Politik und Staat lautete, endlich ein AfD-Verbotsverfahren in die Wege zu leiten.
Selbstverständlich kam auch der kulinarische Genuss an diesem Abend nicht zu kurz. Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse der IGS Nieder-Olm verwöhnten die Gäste mit leckeren Snacks und taten damit noch etwas für ihre Abi-Kasse.

Stimmen für Vielfalt3_!
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Über die Offenheit der Zukunft und die Freiheit des Willens

"Durch die subjektive Erfahrung der eigenen Willensfreiheit im Prozess der Entscheidungsfindung verwirklicht sich der Mensch als denkendes Wesen. Die Demokratie bietet ihm schützende Räume, die es ihm ermöglichen, die Zukunft als offen und individuell gestaltetes Schicksal zu erleben."
Vortrag von Steffen Heieck am 06. März 2026

Nie wieder ist Jetzt!
Aktion am 30. Januar 2026

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Nieder-Olmer Bündnis für Demokratie, Vielfalt und Toleranz
Ansprechpartner: Willi Sturm
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